Notiz-Methoden

Mitschreiben im Studium: So behalten Sie Vorlesungen

Vor, während und nach der Vorlesung: ein Ablauf, mit dem Mitschriften nicht im Ordner verstauben, sondern zur Klausurvorbereitung taugen.

Wer in Vorlesungen gut mitschreibt, spart sich später viele Stunden Lernzeit. Der wichtigste Grundsatz lautet: nicht alles festhalten, sondern das Verstandene in eigenen Worten, dazu Beispiele, Fragen und Hinweise auf Prüfungsrelevanz. Danach entscheidet die Nacharbeit am selben Tag, ob die Notizen zum Lernen taugen. Dieser Ratgeber zeigt einen Ablauf für alle drei Phasen. Die einzelnen Techniken im Vergleich stellt die Übersicht der Notiz-Methoden vor.

Vor der Vorlesung: fünf Minuten Vorbereitung

Die meisten Mitschriften werden besser, bevor die Vorlesung beginnt. Wer weiß, worum es geht, erkennt Wichtiges schneller.

  • Folien oder Skript überfliegen: Überschriften und Abbildungen reichen, um eine Landkarte im Kopf zu haben.
  • Letzte Zusammenfassung lesen: die zwei, drei Sätze aus der Vorwoche. So knüpft der neue Stoff an.
  • Seite vorbereiten: Datum, Veranstaltung, Thema und Nummer der Sitzung oben notieren. Bei der Cornell-Methode die Spalten ziehen.
  • Ablenkungen ausschalten: Am Laptop Benachrichtigungen deaktivieren und nur das Notizprogramm öffnen.

Während der Vorlesung: verdichten statt mitschreiben

Was in die Mitschrift gehört

Unbedingt notieren Eher weglassen
Definitionen und zentrale Begriffe Inhalte, die wörtlich auf den Folien stehen
Beispiele, die die Lehrkraft erklärt Anekdoten ohne inhaltlichen Bezug
Hinweise wie „das ist wichtig“ oder „kommt dran“ ausführliche Literaturangaben, die im Skript stehen
Zusammenhänge und Begründungen jede Wiederholung desselben Gedankens
eigene Fragen und Unklarheiten Formulierungen, die man nicht verstanden hat, wörtlich

Die passende Methode wählen

Nicht jedes Fach verlangt dieselbe Technik:

  • Cornell-Methode: Mitschrift rechts, Stichwortspalte links, Zusammenfassung unten. Ideal für Fächer mit Prüfung, weil die Nacharbeit eingebaut ist. Eine Vorlage mit Beispiel bietet die Anleitung zur Cornell-Methode.
  • Outline: eingerückte Gliederung, gut für klar strukturierte Vorlesungen, etwa in Jura oder BWL.
  • Mindmap: eher für die Zusammenfassung danach als für die Mitschrift selbst.
  • Tabellen: wenn Sachverhalte nach festen Merkmalen verglichen werden, etwa Theorien, Epochen oder Krankheitsbilder.
  • Formel- und Rechenfächer: Rechenwege vollständig notieren und am Rand kommentieren, warum ein Schritt erfolgt.

Abkürzungen und Symbole

Eine feste, kleine Legende spart viel Zeit. Wichtig ist, sie immer gleich zu verwenden.

Zeichen Bedeutung
→ führt zu, Folge
← wegen, Ursache
≈ ungefähr, ähnlich
≠ Gegensatz, nicht gleich
? unklar, nachfragen
! wichtig
P prüfungsrelevant
Bsp. Beispiel
Def. Definition
z. B., bzgl., ggf. übliche Abkürzungen

Fachbegriffe, die häufig vorkommen, bekommen eine eigene Kurzform, die man einmal am Seitenanfang notiert.

Hand, Laptop oder Tablet?

Werkzeug Vorteile Nachteile
Papier zwingt zum Auswählen, keine Ablenkung, freie Skizzen nicht durchsuchbar, Ordnung erfordert Disziplin
Laptop schnell, durchsuchbar, leicht zu ordnen und zu teilen Neigung zum wörtlichen Tippen, Ablenkung, Skizzen mühsam
Tablet mit Stift Handschrift und Skizzen, digital durchsuchbar je nach App Geräte- und App-Kosten, Akku

Für Laptop und Tablet stellt sich die Frage nach der passenden App. Viele Studierende entscheiden zwischen OneNote und Notion. Die Unterschiede für den Studienalltag beschreibt der Vergleich OneNote oder Notion.

Nach der Vorlesung: die entscheidenden 20 Minuten

Die Nacharbeit ist der Teil, den die meisten auslassen, und der Teil, der am meisten bringt. Ohne Wiederholung geht ein großer Teil des Gehörten schnell verloren, das beschreibt schon die bekannte Vergessenskurve nach Hermann Ebbinghaus. Am besten erfolgt die Nacharbeit noch am selben Tag:

  1. Lücken schließen: Fragezeichen auflösen, mit Folien, Lehrbuch oder Kommilitonen.
  2. Lesbar machen: unklare Abkürzungen ausschreiben, unleserliche Stellen nachbessern.
  3. Fragen formulieren: zu jedem Abschnitt eine Prüfungsfrage in die Stichwortspalte oder an den Rand.
  4. Zusammenfassen: zwei bis fünf Sätze, die den Kern der Sitzung wiedergeben, ohne in die Notizen zu schauen.
  5. Ablegen: einheitlich benennen, etwa „Fach_Sitzung-05_Thema“, und im festen Ordner speichern.

Vom Mitschrieb zur Klausur

Erneutes Durchlesen fühlt sich nach Lernen an, bewirkt aber wenig. Wirksamer ist es, den Stoff aktiv abzurufen:

  • Selbsttest mit der Stichwortspalte: Mitschrift abdecken, Fragen beantworten, dann vergleichen.
  • Karteikarten: Kernfragen und Definitionen auf Karten übertragen und in wachsenden Abständen wiederholen. Wie das mit Fächern und Wiederholungsstufen funktioniert, zeigt das Leitner-System.
  • Aus dem Gedächtnis erklären: ein Thema einer anderen Person oder laut sich selbst erklären. Wo man stockt, liegt die Lücke.
  • Übersicht erstellen: pro Themenblock eine Seite mit Zusammenhängen, etwa als Mindmap oder Tabelle.

Ein Wochenrhythmus, der funktioniert

Zeitpunkt Tätigkeit Dauer
vor der Vorlesung Folien überfliegen, letzte Zusammenfassung lesen etwa 5 Minuten
während verdichtet mitschreiben Vorlesungsdauer
am selben Tag Nacharbeit, Fragen, Zusammenfassung 15 bis 30 Minuten
am Wochenende Fragen der Woche aus dem Gedächtnis beantworten 20 bis 40 Minuten
vor der Klausur Karteikarten, Übersichten, Altklausuren nach Bedarf

Häufige Fehler

  • Mitschreiben ohne Zuhören: Wer nur protokolliert, hat am Ende eine Abschrift, aber kein Verständnis.
  • Nacharbeit aufschieben: Nach einer Woche sind viele Stichworte nicht mehr zu deuten.
  • Verschiedene Systeme pro Fach: Ein einheitlicher Aufbau spart Suchzeit und Entscheidungen.
  • Schönschreiben statt Lernen: Mitschriften dürfen unordentlich sein. Ordentlich wird, was später gebraucht wird, etwa die Zusammenfassung.

Gemeinsam mitschreiben

In Lerngruppen lohnt es sich, Mitschriften abzugleichen. Wer unterschiedliche Lücken hat, ergänzt sich gegenseitig. Geteilte digitale Notizbücher machen das einfach. Wichtig ist, dass jede Person trotzdem selbst mitschreibt, denn das Verarbeiten beim Notieren lässt sich nicht delegieren.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Soll ich mitschreiben, wenn es die Folien ohnehin gibt?
Ja, aber anders. Wer die Folien hat, muss deren Inhalt nicht abschreiben. Wertvoll sind die Dinge, die nicht auf den Folien stehen: Erklärungen, Beispiele, Hinweise auf Prüfungsrelevanz und eigene Fragen. Am besten notiert man sie direkt neben oder auf einem Ausdruck der Folien.
Ist Mitschreiben per Hand besser als am Laptop?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Handschrift zwingt zum Auswählen und Zusammenfassen, der Laptop ist schneller und durchsuchbar, verleitet aber zum wörtlichen Mittippen und lenkt durch andere Programme ab. Wer digital schreibt, sollte bewusst verdichten und Benachrichtigungen abschalten. Ein Tablet mit Stift verbindet beides.
Wie lange sollte die Nacharbeit dauern?
Oft genügen 15 bis 30 Minuten pro Vorlesung, wenn sie zeitnah geschieht. In dieser Zeit werden Lücken geschlossen, Fragen in die Stichwortspalte geschrieben und eine kurze Zusammenfassung ergänzt. Je länger man wartet, desto mehr Zeit kostet es, die Mitschrift wieder zu verstehen.
Was mache ich, wenn ich den Faden verliere?
Eine Markierung setzen, etwa ein Fragezeichen am Rand, und beim nächsten Gedanken wieder einsteigen. Die Lücke lässt sich bei der Nacharbeit mit Folien, Lehrbuch oder Kommilitonen schließen. Wer versucht, alles nachzuholen, verpasst meist auch den folgenden Teil.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion IdeaNotes.