Notiz-Apps im Vergleich

Notizen verschlüsseln: Apps mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Tagebuch, Zugangsdaten, Gesprächsnotizen: welche Notiz-Apps Inhalte so verschlüsseln, dass nicht einmal der Anbieter mitlesen kann, und worauf man achten muss.

Notizen sind nur dann wirklich privat, wenn sie Ende zu Ende verschlüsselt sind: Die Verschlüsselung passiert auf dem eigenen Gerät, und der Anbieter speichert lediglich unlesbare Daten. Diese Eigenschaft bieten Apps wie Standard Notes und Notesnook von Grund auf, Joplin, Obsidian und Apple Notizen als Option. Die großen Cloud-Dienste wie Notion, Evernote, OneNote und Google Keep verschlüsseln dagegen nur die Übertragung und die Speicherung auf ihren Servern, behalten aber den Schlüssel.

Dieser Artikel erklärt die Unterschiede, stellt die Apps vor und zeigt, wie man lokale Notizordner selbst verschlüsselt. Einen allgemeinen Überblick über Notiz-Apps bietet der Vergleich der Notiz-Apps.

Drei Arten von Verschlüsselung

Nicht jede „verschlüsselte“ App schützt gleich gut. Es lohnt, genau hinzusehen:

Art Was geschützt ist Wer mitlesen kann
Transportverschlüsselung Daten auf dem Weg zwischen Gerät und Server Anbieter, nach Kompromittierung des Servers auch Dritte
Verschlüsselung auf dem Server gespeicherte Daten gegen Diebstahl der Festplatten Anbieter, da er den Schlüssel verwaltet
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung Daten überall außerhalb der eigenen Geräte nur, wer den Schlüssel besitzt

Transportverschlüsselung ist heute Standard. Sie verhindert, dass jemand im WLAN mitliest, sagt aber nichts darüber, was beim Anbieter mit den Daten geschieht. Erst die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sorgt dafür, dass auch der Anbieter, ein Angreifer auf dessen Servern oder eine Behörde mit Herausgabeverlangen nur unlesbare Daten erhält.

Apps mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

App Verschlüsselung Quellcode Plattformen
Standard Notes immer aktiv Open Source Windows, macOS, Linux, iOS, Android, Browser
Notesnook immer aktiv Open Source Windows, macOS, Linux, iOS, Android, Browser
Joplin beim Sync zuschaltbar Open Source Windows, macOS, Linux, iOS, Android
Obsidian mit Obsidian Sync beim kostenpflichtigen Sync App nicht quelloffen Windows, macOS, Linux, iOS, Android
Apple Notizen gesperrte Notizen, alles mit erweitertem Datenschutz nicht quelloffen iPhone, iPad, Mac

Funktionen und Tarife ändern sich, maßgeblich sind die Angaben der Anbieter.

Standard Notes

Standard Notes ist von Grund auf für Verschlüsselung gebaut. Alle Notizen werden auf dem Gerät verschlüsselt, bevor sie synchronisiert werden. Die Grundfunktionen sind kostenlos, Editoren für Markdown, Tabellen oder Aufgaben und mehr Speicher gehören zu den kostenpflichtigen Tarifen. Das Projekt gehört inzwischen zum Schweizer Anbieter Proton.

Notesnook

Notesnook verfolgt einen ähnlichen Ansatz mit einer Oberfläche, die eher an Evernote erinnert: Notizbücher, Tags, Farben und Anhänge. Auch hier sind alle Inhalte Ende zu Ende verschlüsselt. Es gibt einen Gratistarif und kostenpflichtige Erweiterungen.

Joplin

Joplin verschlüsselt nicht automatisch. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wird in den Einstellungen aktiviert und gilt dann für alle synchronisierten Notizen, gleich ob der Abgleich über einen eigenen WebDAV-Server, einen Cloud-Speicher oder den Dienst des Projekts läuft. Lokal auf dem Gerät liegen die Notizen unverschlüsselt in der Datenbank der App. Mehr zu Joplin steht in der Übersicht kostenlose Notiz-Apps.

Obsidian

Obsidian speichert Notizen als unverschlüsselte Markdown-Dateien auf dem Gerät. Wer den kostenpflichtigen Dienst Obsidian Sync nutzt, kann den Abgleich Ende zu Ende verschlüsseln lassen. Wer stattdessen einen eigenen Cloud-Speicher verwendet, muss selbst für die Verschlüsselung sorgen, siehe unten.

Apple Notizen

Einzelne Notizen lassen sich in Apple Notizen sperren und sind dann verschlüsselt. Mit dem erweiterten Datenschutz für iCloud werden alle Notizen Ende zu Ende verschlüsselt. Für den Fall eines vergessenen Passworts muss dann ein Wiederherstellungsschlüssel oder ein Kontakt zur Wiederherstellung eingerichtet werden. Wie man die App sonst organisiert, beschreibt der Beitrag zu Apple Notizen.

Was die großen Cloud-Apps bieten

  • Notion: verschlüsselt Übertragung und Speicherung, keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
  • Evernote: verschlüsselt Übertragung und Speicherung auf den Servern, aber keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung des gesamten Notizbestands.
  • OneNote: Abschnitte lassen sich mit einem Passwort schützen, sie werden dann verschlüsselt. Ganze Notizbücher sind nicht Ende zu Ende verschlüsselt.
  • Google Keep: keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Für Einkaufslisten und Fachnotizen ist das unproblematisch. Für Tagebücher, Gesundheitsthemen oder vertrauliche Gesprächsnotizen sollte man eine der oben genannten Apps wählen.

Lokale Notizordner selbst verschlüsseln

Wer Obsidian, Logseq oder Zettlr nutzt und den Notizordner über Dropbox, OneDrive, Google Drive oder iCloud Drive synchronisiert, kann den Ordner mit einem eigenen Werkzeug verschlüsseln. Verbreitet ist Cryptomator: Das quelloffene Programm legt im Cloud-Ordner einen verschlüsselten Tresor an. Auf dem eigenen Rechner erscheint der Tresor als normales Laufwerk, in der Cloud liegen nur verschlüsselte Dateien.

Zu beachten ist dabei:

  1. Mobilgeräte: Auf Smartphones und Tablets braucht es eine passende App, die den Tresor öffnen kann. Ob die Notiz-App darauf zugreifen kann, sollte vorher getestet werden.
  2. Geschwindigkeit: Bei sehr vielen kleinen Dateien kann der Abgleich langsamer werden.
  3. Konflikte: Wird eine Datei auf zwei Geräten gleichzeitig geändert, entstehen auch im Tresor Konfliktkopien.

Eine Alternative ist, ganz auf Cloud-Speicher zu verzichten und den Ordner direkt zwischen eigenen Geräten abzugleichen. Welche Wege es dafür gibt, erklärt der Artikel Notizen synchronisieren.

Checkliste vor der Wahl

  • Ist die Verschlüsselung Ende zu Ende oder nur auf Transport und Server?
  • Ist sie standardmäßig aktiv oder muss sie eingeschaltet werden?
  • Sind auch Anhänge verschlüsselt, nicht nur der Text?
  • Was bleibt sichtbar? Manche Apps verschlüsseln den Inhalt, aber nicht Titel oder Tags.
  • Gibt es einen Wiederherstellungsschlüssel, und wo bewahre ich ihn auf?
  • Ist der Quellcode offen oder unabhängig geprüft?
  • Wie funktioniert der Export? Verschlüsselte Daten müssen sich vollständig und lesbar exportieren lassen.

Typische Fehler

  • Passwort ohne Sicherung: Wer das Passwort einer Ende-zu-Ende-verschlüsselten App vergisst und keinen Wiederherstellungsschlüssel hat, verliert die Notizen.
  • Unverschlüsselte Kopien: Exportdateien, Screenshots oder Backups liegen oft unverschlüsselt herum.
  • Ungesichertes Gerät: Die beste Verschlüsselung hilft wenig, wenn das Smartphone ohne Sperre auf dem Tisch liegt.
  • Vertrauliches im Titel: Bei gesperrten Notizen bleibt der Titel häufig sichtbar.

Fazit

Wer vertrauliche Notizen schreibt, sollte nicht auf das Wort „verschlüsselt“ vertrauen, sondern prüfen, wer den Schlüssel besitzt. Standard Notes und Notesnook sind die einfachste Lösung, Joplin und Obsidian lassen sich gut absichern, Apple Notizen wird mit dem erweiterten Datenschutz zur verschlüsselten App. Entscheidend ist in jedem Fall ein sicher verwahrter Wiederherstellungsschlüssel.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Was bedeutet Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Notizen?
Die Notizen werden auf dem eigenen Gerät verschlüsselt, bevor sie hochgeladen werden, und erst auf einem anderen eigenen Gerät wieder entschlüsselt. Der Schlüssel verlässt die Geräte nicht. Der Anbieter speichert nur verschlüsselte Daten und kann sie ohne den Schlüssel nicht lesen.
Was passiert, wenn ich das Passwort vergesse?
Bei echter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kann der Anbieter das Passwort in der Regel nicht zurücksetzen, ohne dass die Daten verloren gehen. Deshalb bieten viele Apps einen Wiederherstellungsschlüssel an. Diesen sollte man ausdrucken oder in einem Passwortmanager sicher aufbewahren.
Reicht die Verschlüsselung des Smartphones nicht aus?
Die Geräteverschlüsselung schützt Daten, wenn das Gerät verloren geht und gesperrt ist. Sie schützt aber nicht die Kopie, die beim Synchronisieren auf den Servern des Anbieters liegt. Dafür braucht es eine Verschlüsselung in der App oder des Sync-Ordners.
Sollte ich Passwörter in einer Notiz-App speichern?
Besser nicht. Für Passwörter sind Passwortmanager gebaut, die Eingaben automatisch ausfüllen, Zugänge prüfen und auf Verschlüsselung spezialisiert sind. Notiz-Apps eignen sich eher für vertrauliche Texte wie Tagebuch, Gesprächsnotizen oder Entwürfe.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion IdeaNotes.